Inga Saatz: Von der Didaktik zur Technik – Softwarebasierte Unterstützung des Lehrenden im e-Learning.
Die Referentin stellt einen Ansatz vor, mit dem man durch so genannte Präferenzvorlagen ein didaktisches Szenario für e-learning vorselektieren und im weiteren Verlauf anpassen kann. Diese Vorlagen schließen Angaben zu Gruppengröße, Zeitdauer, räumliche/zeiltiche Verteilung und Medienkompetenz (Lehrende und Lernende ?) ein. Dazu können noch didaktische Präferenzen angegeben werden (welche Methode, welche Art der Lehrveranstaltung möchte man durchführen?). Im Prinzip sind Präferenzvorlagen also konfigurierbare Blueprints für Lehrveranstaltungen. Das mag den Lehrenden unterstützen. Welchen Nutzen die Lernenden davon haben ist noch nicht klar.
Die Unterstützung des Lehrenden scheint dann aus den Vorlagen durch technische Hilfsmittel realisiert zu sein, bspw. vorgefertigte Eingabefelder für bestimmte Aufgaben oder Audio-/Videokonferenzen, die eingebunden werden können. Dahinter können dann auch Muster des eLearnings verwendet werden. Abhängig von der Rolle eines Lehrenden/Lernenden können auch unterschiedliche Abstufungen der Anpassbarkeit verwendet werden: Ein Neuling kann vorgefertigte Templates verwenden, ein erfahrender Nutzer diese auch anpassen.
Insgesamt ist das ein interessanter Ansatz, Technik auch gezielt in Lehr-/Lernprozessen einsetzen zu können, indem man Ziele und Charakteristika einer Lehrveranstaltung angibt. Die Arbeit scheint aber noch am Beginn zu sein, so dass wenig über die Benutzbarkeit oder die Realisierung zu sehen ist – es handelt such also momentan noch um ein Konzept.
Inga Saatz: Nebenläufigkeit der Modellierung und Ausführung von diaktischen Prozessen
Frau Saatz hat offenbar Spaß am Vortragen gefunden und hält daher ihren direkten Nachfolgevortrag direkt mit. Das erspart ihr zwei verschiedene Sessions, ist aber für den Zuhörer nicht unbedingt ideal. Wie auch immer, diesmal gehts um Modellierung.
Modelliert werden diaktische Prozesse, also die Abfolge von Aufgaben, die Lehrende und Lernende ausführen. Dabei werden auch Ausführungsprozesse betrachtet, also die Instanz eines diaktischen Prozesses, die dann technisch unterstützt wird. Im Prinzip sind das Übertragungen aus der Geschäftsprozessmodellierung in den Lehr-/Lernbereich. Das zeigen auch die Probleme, die sie aufzeigt: Zu Beginn einer Veranstaltung kann man nicht immer alle Details eines durchzuführenden Prozesses kennen, es ergeben sich auch weitere Änderungsbedarfe. Der Prozess muss daher zwischendurch angepasst werden, man braucht also während der Ausführung eine “durchgängige Modellierung”. Soweit sind das Dinge, die aus WfM ähnlich bekannt sind.
Ich frage mich die ganze Zeit, ob die bei einer maschinellen Ausführbarkeit modellierter Prozesse notwendige Formalisierung der Prozessmodelle ein sinnvolles Ziel für Lehr-/Lernprozesse sein kann. Und wo der besondere Aspekt des eLearnings ist, der die hier beschriebene Modellierung von GPM oder verwandten Ansätzen abhebt. Eine Antwort auf diese Fragen bleibt der Vortrag schuldig, stattdessen wird Deadlock-Handling diskutiert. Naja, schade. Referentenwechsel.
Andreas Harrer et al.: Learnflow Mining
Hier geht es darum, mit Modellen Lernen zu begleiten oder zu strukturieren. Insbesonders wird die Frage gestellt, ob bspw. Lehrern eine formale Notation zur Prozessmodellierung zugemutet werden kann. Der Titel des Vortrags lässt darauf schliessen, dass dies in der Erzeugung von Modellen nicht der Fall ist.
Der Ansatz basiert auf bekannten Workflow-Methoden und versucht zu erörtern, ob in der relativ jungen lehrebezogenen Modellierung (Stichwort: Educational Modeling Language) die Prinzipien des WfM übernommen werden können.
Als Unterschied zu Ansätzen der GPM wird hier gesehen, dass am Ende eines Geschäftsprozesses ein Ziel in Form einer Leistung oder eines Produkts steht und dieses Ziel beim Lernen entweder nicht formalisiert werden kann oder soll bzw. nicht im Vordergrund steht, da der Durchlauf des Prozesses das vornehmliche Ziel ist. Beim Erzeugen der Modelle ist der Unterschied, dass Dozenten nicht (wie Experten in Unternehmen) mit Modellierung vertraut sind. Lösung ist das Mining von Learnflows.
Insgesamt scheint mir, dass Modellierung in Lehr-/Lernsettings durchaus Anwendung hat. Dass dieses hier aber als neu beschrieben wird verwundert, wenn man selbst dazu eine Arbeit in 2004 verfasst hat (Learnflow-Mining ist dazu auch in der Arbeit von Haiko aus 2004 abgedeckt). Sicher sind diese Ansätze in Teilen elaborierter, aber das ist es dann auch schon. Und einen klaren Unterschied zu anwendbaren Techniken aus der Geschäftsprozessmodellierung habe ich noch nicht so recht finden können.
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